Predigerkirche und Predigerkloster

Predigerkirche

Die Predigerkirche St. Johannes Ev. ist eine Dominikanerkirche aus dem 13./14. Jahrhundert. Ihre Architektur besticht durch Klarheit und Einfachheit. Der frühgotische  Stil der Bettelmönche hat sich in der querschifflosen Basilika mit dem Binnenlangchor ungebrochen erhalten.

Eine Besonderheit der Kirche ist die doppelte Abtrennung zwischen Hohem Chor und dem Hauptschiff. Der Lettner stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und, dahinter die alten Chorschranken aus der Zeit um 1275.

Sehenswerte Einzelstücke:

 

Das Predigerkloster

Das ehemalige Kloster
Vom Kloster (13. Jh.) steht nur noch der Ostflügel. Sakristei,  Kapitelsaal und Refektorium (Speisesaal) sind hier im ursprünglichen Zustand erhalten. Meister Eckhart hat hier seine berühmten „Reden der  Unterweisung" gehalten.
Im ersten Stock wurden die Räume den Bedürfnissen moderner Nutzung angepasst.

Die Sakristei

diente der Vorbereitung auf den Gottesdienst. Hier wurden liturgische  Gewänder und sakrale Gegenstände aufbewahrt. Das ist bis heute so  geblieben.

Der Kapitelsaal,
in dem in alten Zeiten täglich ein Kapitel aus der Regel des Klosters  gelesen wurde, wird heute für zahlreiche Veranstaltungen genutzt und gelegentlich vermietet.

Das Refektorium,
das in den mittelalterlichen Farben restauriert wurde, wird als Raum für Gottesdienste und Konzerte vielfältig genutzt. Es dient uns als Winterkriche.

Westfassade der Predigerkirche vom Paulsturm aus
Predigerkloster, Predigerkirche und Turm

Aus der Literatur

Dr. Rainer Müller schreibt 2015:

 

"Im 13. Jahrhundert vollzieht sich auch in Erfurt der stilistische Umbruch von der Romanik zu Gotik. Eine Vorreiterrolle übernahmen hierbei die Bettelorden, allen voran die Dominikaner. Deren seit den 1260er Jahren im Bau befindliche Konventskirche, heute allgemein als Predigerkirche bezeichnet, ist der erste rein gotische Bau in Thüringen. Der 1273 unter Dach stehende, 1279 geweihte Chor der Mönchskirche ist in seiner schlichten, auf das statisch Notwendige reduzierten Gestalt ein Muster rationaler Architekturplanung. Das ihm zugrunde liegende Konzept sollte bis zur Vollendung des Bauwerks im 15. Jahrhundert beibehalten werden.

 

Trotz einer mehr als fünf Generationen überspannenden Bauzeit erscheint das Bauwerk wie aus einem Guss. Es handelt sich hierbei um eine dreischiffige, gewölbte Pfeilerbasilika von 15 Jochen, die – wie für Bettelordenskirchen typisch – ohne Querhaus, Krypta und Turm (der bestehende schlanke Chorflankenturm entstand erst im 15. Jahrhundert) auskam. Das von den Dominikanern entwickelte Konzept eines gestaffelten Innenraums mit hohen Mittelschiffsarkaden und niedrigen Obergaden auf schlanken Achteckstützen sollte schon wenig später [...] weiterentwickelt und adaptiert werden."

 

 

Aus: Müller, Rainer: Mittelalterlicher Kirchenbau in und um Erfurt. In: Erfurt und Umgebung, Archäologische Denkmale in Thüringen Band 3, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie 1. Aufl. 2015, S. 95-110