Die historische Büchersammlung der Predigergemeinde Erfurt enthält außer Drucken des 15.-19. Jhs. auch drei Handschriften. Die älteste unter ihnen ist das 1301 angefertigte “Rituale“ des Conrad von Rode. Es handelt sich um eine Agende, eine Sammlung von liturgischen Vorschriften für sakrale Handlungen außerhalb der Heiligen Messe, z. B. Taufe, Krankensalbung, Begleitung von Sterbenden, Segnung der Mutter nach der Geburt eines Kindes etc. Teilweise sind die Texte mit Neumen, den ältesten Tonschriftzeichen der frühmittelalterlichen Musik, versehen.
Conrad von Rode war Stiftsherr in der Severikirche und Pleban, d. h. Pfarrer der Benediktkirche seit spätestens 1274. Die Gemeinde der Benediktkirche erhielt mit zwei weiteren kleinen Gemeinden der Erfurter Innenstadt im Zuge der Reformation 1525 vom Rat der Stadt die Predigerkirche als Gotteshaus übertragen. Auf diese Weise gelangte das Rituale in den Besitz der Predigergemeinde. Etwa 1998/99 wurde die Handschrift wieder aufgefunden.
Im Rahmen des Festival „Voix & Route Romane 2009 werden erstmals nach fast 500 Jahren Antiphone aus dieser Handschrift wieder zu Gehör kommen.